GRAI Q1/2022

GRAI - Global Retail Attractiveness Index Q1/2022

Retail Index sucht nach temporärem Anstieg weiter klare Richtung

•   GRAI legt im ersten Quartal 2022 um zwölf Punkte gegenüber Vorjahr zu
•   Krieg in der Ukraine lässt Stimmung bei Verbrauchern und Händlern einbrechen
•   Tschechien, Polen und Deutschland bilden das neue Spitzentrio im Index
•   Südkorea und Kanada mit stärkster Entwicklung in Übersee

09.06.2022   I   Autor Fabian Hellbusch   I   Lesedauer: 4 Minuten

Der GRAI ist weiter auf Kurssuche. Der Krieg in der Ukraine hat die Erholung an den europäischen Einzelhandelsmärkten, die nach Ende der Lockdowns überall spürbar wurde, ab März massiv abgebremst. Bedingt durch die zwischenzeitlich starke Aufholbewegung im Januar und Februar sichert sich der Global Attractiveness Retail Index im ersten Quartal 2022 aber sein vergleichsweise gutes Niveau. Die leichten Einbußen im ersten Quartal lassen den Retail Index etwas auf 111 Punkte (vorher 113 Punkte) sinken. Gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres legt der von Union Investment und GfK ermittelte Index jedoch deutlich um zwölf Punkte zu.

Leiter Immobilienresearch Union Investment Olaf Janßen

„Die erfreuliche Nachricht ist, dass im Vergleich zum Vorjahr in ausnahmslos allen 15 europäischen Ländern, die der Index, erfasst, der Trend nach oben zeigt. Es ist davon auszugehen, dass sich im zweiten Quartal, wenn Inflation, Lieferengpässe und weitere Folgen des Krieges in der Ukraine stärker auf die Sentiments bei Händlern und Konsumenten durchschlagen, ein deutlich heterogeneres Bild in der europäischen Einzelhandelslandschaft und im Retail-Index zeigen wird.“

Olaf Janßen, Leiter Immobilienresearch bei Union Investment.

GRAI 2022 - 1. Quartal

Stärkte Zuwächse in Spanien, Polen und Frankreich

Besonders deutlich fallen die gegenüber dem Vorjahr erzielten Zuwächse in Spanien mit einem Plus von 22 Punkten, sowie in Großbritannien, Portugal und Frankreich mit plus 14 Zählern aus. Was das Niveau des Retail Index betrifft, bilden jetzt Tschechien und Polen mit jeweils 121 Punkten das Spitzenduo, gefolgt von Deutschland (120 Punkte) und Portugal (116 Punkte). Das Schlusslicht zum Ende des ersten Quartals 2022 ist Schweden mit 95 Punkten.

das Zwischenhoch des GRAI in Europa ist vor allem die gegenüber dem Vorjahr deutlich verbesserte Stimmung im Einzelhandel verantwortlich“, sagt Olaf Janßen. Die Einzelhandelsstimmung legte im Jahresverlauf um 26 Punkte auf aktuell 107 Punkte zu. Zur positiven Entwicklung des Index leisten auch der Einzelhandelsumsatz (123 Punkte), der im Jahresverlauf 11 Punkte zulegte, sowie der trotz Corona-Pandemie gute Arbeitsmarkt (127 Punkte, +5) starke Beiträge. Deutlich schwächere Impulse kommen von der bereits gegenüber dem Jahresanfang schlechteren Verbraucherstimmung, die aber im Vergleich zum Vorjahr dennoch leicht zulegte (92 Punkte, +3).

EU-15-Index outperformt weiter die Indizes in Amerika und Asien

Wie in Europa verbessert sich der Retail Index im Vorjahresvergleich auch in den beiden Übersee-Regionen. Dabei hält der EU-15-Index (111 Punkte) trotz der Kriegssituation in der Ukraine die Indizes in Nordamerika (103) und Asien-Pazifik (98) weiter auf Distanz. In Nordamerika legt der GRAI im ersten Quartal im Jahresvergleich um acht Punkte zu, in Asien-Pazifik um elf Punkte. In Asien-Pazifik ist die Performance trotz der Zugewinne noch leicht unterdurchschnittlich. Das relativ gute Niveau in Nordamerika stützt sich – wie in Europa – auf starke Zuwächse im Einzelhandelsumsatz sowie auf dem Arbeitsmarkt. Allerdings haben die Stimmungsindikatoren der Händler und Konsumenten bereits deutlich nachgegeben. Spitzenreiter unter den betrachteten Übersee-Ländern ist derzeit Südkorea mit 109 Zählern und einem Plus von 17 Punkten, gefolgt von Kanada (105 Punkte, +25) und den USA (102 Punkte, +6). Die schwächste Entwicklung wies erneut der japanische Einzelhandelsmarkt auf. Trotz einem Plus von elf Zählern bleibt der Wert mit 93 der niedrigste alle 20 im GRAI erfassten Werte.

Die Methodik des GRAI

Der Global Retail Attractiveness Index (GRAI) von Union Investment bildet die Attraktivität der Einzelhandelsmärkte von insgesamt 20 Ländern in Europa, Amerika und Asien-Pazifik ab. Dabei bedeuten 100 Indexpunkte eine durchschnittliche Bewertung. In den EU-15-Index gehen die Indizes der EU-Länder Schweden, Finnland, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, Österreich, Niederlande, Belgien, Irland, Portugal, Polen und Tschechien ein, gewichtet mit ihrer jeweiligen Bevölkerungszahl. In den Nordamerika-Index gehen die Indizes der USA und Kanadas ein; der Asien-Pazifik-Index berücksichtigt Japan, Südkorea und Australien.

Halbjährlich vom Marktforschungsunternehmen GfK ermittelt, setzt sich der Global Retail Attractiveness Index aus zwei Stimmungsindikatoren und zwei datenbasierten Indikatoren zusammen. Alle vier Faktoren gehen gleichgewichtet, d.h. mit jeweils 25 Prozent, in den Index ein. In den Index fließt sowohl die Stimmung der Nachfrageseite (Consumer Confidence) als auch die Stimmung der Angebotsseite (Business Retail Confidence) ein. Als quantitative Input-Faktoren werden die Veränderung der Arbeitslosigkeit und die Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes (rollierend 12 Monate) in den GRAI einbezogen. Nach Standardisierung und Transformation haben die Input-Faktoren jeweils einen Mittelwert von 100 sowie einen theoretischen Wertebereich von 0 bis 200 Punkte. Dem Index liegen Daten aus aktuellen Quellen von GfK, EU-Kommission, OECD, Trading Economics, Eurostat sowie der nationalen Statistikämter zugrunde. Die dargestellten Veränderungen beziehen sich jeweils auf den entsprechenden Zeitraum des Vorjahres (Q1 2021).

Weiterführende Informationen

Mehr zum GRAI

Fabian Hellbusch

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fabian.hellbusch@union-investment.de